Faulbaer's Schlafmulde :: schmerz :: machs gut, oma musch
2005.04.25, 00:14

machs gut, oma musch

heute abend ist meine oma friedlich verstorben und bevor ihr alle eure telefone in die hand nehmt und nicht wisst, wieviel anteilnahme nun passend erscheint: es ist ok. meine oma hatte schon seit geraumer zeit keine richtige lust mehr am leben gehabt und das nur ab und an vergessen.

jedenfalls war meine oma eine tolle oma und wir hatten gemeinsam viel spass. nicht nur habe ich fuer zwei jahre bei ihr gewohnt, seit meinem fuenften lebensjahr konnten sie und mein opa mir regelmaessig einmal im jahr ermoeglichen ski zu fahren, bis kurz bevor mein opa nach einer sehr unangenehmen krankheit starb.

meine oma war auch die erste in der familie, die mit computern arbeitete, mir wurde dieses interesse, also schon recht frueh in die wiege gelegt.

natuerlich verwoehnte mich meine oma auch zu jeder zeit nach strich und faden - sie brachte mich schon in jungen jahren auf nougat und fererro rocher.

ich werde sie also in guter erinnerung behalten und muss bei ihrer bestattung dann ganz ernst sein, um die anderen trauernden nicht unnoetig zu verletzen - immer in solchen situationen denke ich naemlich doch an lustige sachen, die ich mit den verschiedenen erlebt hatte und grinse dann doof vor mich hin, waehrend alle anderen rote nasen haben und tropfen und so.

oma schlief sanft in den tod, im beisein all ihrer wichtigeren angehoerigen. alles verlief recht friedlich mit ein wenig gebete und alle waren recht gefasst. die letzten atemzuege waren natuerlich (bitte verzeiht mir, ich will nicht respektlos erscheinen!) nahezu perfekt fuer eine kommoedie. ich fuehlte mich direkt an die sterbeszene aus ronja raeubertochter von astrid lindgren erinnert und musste das zimmer verlassen, um nicht laut loszulachen.

jedenfalls hatte ich davor und danach noch genug zeit, mich von oma zu verabschieden, wenn sie auch nicht bei bewusstsein war und meinen haendedruck erwiderte, so war es mir wichtig, sie auf ihrem letzten weg zu begleiten. meine mutter war sehr tapfer und mein bruder und mein vater waren ordentlich ernst und angenehm gefasst. onkel, tante und cousinen weinten ein wenig und beteten brav, wodurch dann auch die standard-versicherungs-police abgeschlossen sein duerfte.

bis auf einen respekt- und taktlosen pfleger und die sich ratlos raeuspernde mitbewohnerin verlief die zeremonie weitestgehend ungestoert.

auch der termin war weise gewaehlt: ein regnerischer sonntag, meine mutter grade zurueck aus dem krankenhaus, mein onkel grade zurueck aus dem urlaub, mein vater grade zwischen den dienstreisen, nach den nachrichten, so soll es sein. bis zuletzt eine pragmatische frau.

Faulbaer (ich wuensche dir alles gute, oma musch :-))

 
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