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2004.05.08, 18:23

kennt ihr noch den michel aus loenneberga?

ab und an erinnere ich mich an michel aus loenneberga von astrid lindgren.

michel, marco polo, ronja und die brueder loewenherz waren die ersten buecher, die ich gelesen habe. und was habe ich bei michel gelacht und was war ich bei den bruedern traurig ... von michel habe ich sogar noch eine langspielplatte ... da geht es natuerlich um die betrunkenen huehner, all die schnitzereien und die geschichte mit dem brotschieber und der feuerspritze :-))

wieso komme ich grade heute wieder auf michel? ganz einfach ... immer, wenn ich mit zahnstochern herumspiele, muss ich an den michel in mir denken. michel hat ja die meisten seiner ueblen streiche nicht mit boesem willen gespielt, sondern eher, weil er etwas gutes tun wollte, oder weil er im spiel etwas nicht beachtete, was aus der sicht eines erwachsenen vielleicht selbstverstaendlich gewesen sein mag. heute hatte ich huehnchen zum essen und danach eben zahnstocher benutzt.

die geschichte mit den zahnstochern ist schon eine weile her und mich froestelt immer, wenn ich daran zurueckdenke ... dann muss ich aber doch wieder schmunzeln, weil es bei all der grausamkeit eben doch urkomisch war...

ich muss wohl sechs oder sieben jahre alt gewesen sein und es war wohl an meinem geburtstag, oder zu weihnachten ... festlich allemal, denn ich durfte laenger aufbleiben und im wohnzimmer spielen. meine mutter hatte allen spiesschen mit kaese, wurst und trauben gemacht und es gab saft und geschenke und sowieso wird mir ganz warm, wenn ich an den abend zurueckdenke. hm ... da alles ganz verschwommen ist, muss es wohl noch vor der einschulung gewesen sein, denn da hatte ich noch keine brille. die spiesschen waren zahnstocher.

jedenfalls spielte ich damals mit playmobil und wenn ich mich recht erinnere, hatte ich etwas zum thema safari geschenkt bekommen. da gab es einen loewen, tiger, ein auto mit einem lasso an einer angel, ein zebra und safarimaennchen. playmobil ist natuerlich immer etwas langweilig gewesen und sollte zum rollenspielen anregen. nunja, das habe ich dann auch getan ...

ich lag also auf dem bauch auf unserem dicken teppich, futterte die spiesschen und jagte tiger und zebras mit dem auto. irgendwann fiel mir auf, dass das nicht wirklich sinn machte, denn im lieferumfang meines geschenkes war kein gehege enthalten. meine jaeger waren ja nun nicht doof, wozu sollten die denn viecher fangen, wenn sie die dann nicht wegsperren konnten? das war voellig bloedsinnig. daher hiess es, ein gehege muss her, oder ein anderes spielzeug.

zum glueck war ich auch nicht doof und wusste mir zu helfen ... von den spiesschen waren mittlerweile richtig viele zahnstocher uebrig ... und die passten wunderbar in den dicken teppich. ich baute ein grosses rechteckiges gehege und achtete darauf, dass die gefangenen tiere nicht entwischen konnten. ein tor haette ich zwar eigentlich auch benoetigt, aber - details! - ich konnte ja immer einen zahnstocher anheben, wenn ein tier passieren musste.

so spielte ich dann bis tief in die nacht hinein ... manchmal brachen die tiere auch aus und ich musste das gehege weiter verstaerken ... zumindest hatten die jaeger dadurch etwas zu tun. mit dem gehege machte das ganze richtig spass und ich wurde auch nicht muede, wirklich nicht ... "*gaehn* ... bin nich muede ... *zwinker*"

irgendwann musste ich aber denn wohl doch ins bett, es war spaet, die spiesschen waren aufgefuttert und irgendwie war ich sogar schon zu muede zum aufraeumen ... ;-) ich bin dann wohl auch recht schnell eingeschlafen und alles war prima, bis zum naechsten morgen ... puh!

am naechsten morgen wurde ich von gebruell geweckt, das ich gut einem meiner tiger zurechnen konnte ... nur, dass dieses gebruell zu gleichen teilen aus zorn, aus schmerz und ueberraschung zu bestehen schien. das passte dann doch nicht zu meinen tigern.

ich schluepfte als aus dem etagenbett und macht mich auf den weg die treppe herunter, wir wohnten damals in einer schoenen maysonettewohnung in bonn. mein zimmer lag oben und die treppe war im erdgeschoss im wohnzimmer. sie war offen und so konnte ich schon auf halbem wege meinen vater erkennen, wie er auf der couchlehne sass und heulte und schimpfte. er schien mit irgendetwas beschaeftigt zu sein ... ich kam also vorsichtig naeher ... noch hatte er mich nicht gesehen, aber wie ich dann sah, haette ihm das auch nichts gebracht, wenn er mich haette fangen wollen. er war naemlich damit beschaftigt, die gitterstaebe meines raubtiergeheges aus seinem schlimm blutenden fuss zu zupfen ... minutioes, einen nach dem anderen ... sicher mehr, als zehn stueck - autsch!

... und es war wirklich kein geplanter anschlag, wie mir spaeter vorgeworfen wurde ... ehrlich ... keine falle - ein gehege!

es gab dann eine ganze weile keine spiesschen mehr und laenger aufbleiben war erstmal auch gegessen ... dafuer durfte ich mehr aufraeumen und abwaschen ... das uebliche eben.

all das ist nun wirklich lange her, aber ich erinnere mich fast immer daran, wenn ich zahnstocher benutze ... daran und an michel aus loenneberga, der eigentlich fast immer so in seine streiche gerasselt ist, wie ich beim spielen.

-jmt. (ein ganz und gar unangenehmer anblick ... so zahnstocher im fuss - viele ... brrrrr!)

 
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