Faulbaer's Schlafmulde :: german :: fotografie :: die polizei, die ahnungslosen 'helfer'?
2009.05.25, 20:59

die polizei, die ahnungslosen 'helfer'?

auf dem heimweg wurde ich unter drum&bass beshallung durch das iphone zeuge einer szene wie sie heute ueberall und jederzeit in deutschland stattfinden koennte - in diesem fall zwischen bonner loch und karstadt. ja, zwischen, weil der ursprung wohl im bonner loch, das ziel der veranstaltung zu meinem abschied jedoch am nahen karstadt war.

was ist geschehen?

drei jugendliche stellten, aus richtung bonner loch kommend, einem aelteren fluechtenden nach und drueckten ihn in einem haendgemenge schliesslich an die wand des nahen karstadt. ich naeherte mich, um eventuell trennend eingreifen zu koennen - da ging mir aber schon die muffe, denn die jugendlichen machten einen gewaltbereiten eindruck - einer war locker so gross und so schwer wie ich - nur schien seine gewichtsverteilung fuer den nahkampf geeigneter als meine :-/

es wurde immer wieder von fotos gerufen und der angegriffene verteidigte sich und betonte immer wieder, dass er die fotos habe machen duerfen und, dass er sich nicht schlagen wolle.

bevor ich meinen mut unter beweis stellen musste, waren ein polizist und eine dame vom ordnungsamt zur stelle, die gleich begannen, die personalien aller umstehenden aufzunehmen - sehr flissig und irgendwas muss man ja tun, oder?

zu meiner vollendeten ueberraschung gab einer der angreifenden an, er habe die polizie gerufen - sogleich ging ein entsprechender funkspruch ein und ein weiterer mann vom ordnungsamt und ein weiterer polizist betraten das feld.

soweit so - eigentlich - gut. es gab keine verletzungen und alles wurde ... nunja ... falsch.

der erste polizist, der am ort angelangt war, erzaehlte dem fotografen, dass er besser auf die persoenlichkeitsrechte der angreifenden achten muesse, waehrend er alle bilder vom fototelefon des angegriffenen loeschte - statt den jugendlichen zu verklickern, dass sie kein recht hatten, den mann anzugreifen und ihm sein telefon abzunehmen.

als der polizist fertig war, stellte er zufrieden fest, dass alle bilder geloescht seien und der fall fuer ihn somit erledigt sei. der andere polizist faselte ebenfalls von verletzung des persoenlichkeitsrechts und betonte, ohne die bilder gesehen zu haben, der fotograf habe jene nicht machen duerfen.

ich bin ja nun kein anwalt und darf daher natuerlich in deutschland keine rechtsberatung machen, doch aus meiner sicht sieht das ganz anders aus. grundsaetzlich erinnere ich mich, fotos von personen weitestgehend uneingeschraenkt machen zu duerfen - veroeffentlichen darf ich sie nicht - das ist auch gut so. mit dem persoenlichkeitrecht sollte das aber doch auch nichts zu tun haben sondern mit dem recht am eigenen bild, das dem urheberrecht entspringt, oder? ueber kommentare von juristen wuerde ich mich an dieser stelle sehr freuen.

vom rechtlichen aspekt abgesehen bin ich allerdings erschuettert, dass die gewalt, die dem fotografierenden angetan wurde wiederum seitens der polizisten nicht zum anlass genommen wird, den jugendlichen zu erklaeren, wie weit ihre rechte gehen - faustrecht kenne ich jedenfalls nur aus italo-western als geltendes recht.

ich frage mich, was geschehen waere, wenn sich der aeltere mann, der spaeter, waehrend er sehr ungluecklich dreinschaute, noch etwas von karate murmelte, sich zur wehr gesetzt haette - aus meiner sicht haette er sich gegen die gewaltbereit aussehenden jugendlichen in notwehr gehandelt - den prozess dazu haette ich mir dann auch gerne angeschaut.

was soll ich sagen - am ende viel laerm um nichts, etwas rechtsbruch, vielleicht ein paar schoene erinnerungsfotos geloescht und das mulmige gefuehl, dass polizisten gewalt bedingt richtig finden koennten, wenn der angegriffene aus deren sicht im unrecht zu sein scheint - kaum einen artikel wert, oder?

Faulbaer (der mit gutem grund nur fotos von einverstandenen zu machen versucht)

 
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