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2005.05.04, 10:53

nachgeholt: mein krankenhaustag

gestern abend war ich so platt, dass ich die gestrigen erlebnisse nicht habe bloggen koennen, was ich jetzt nachholen moechte. (ich war so platt, dass ich den rest des tages nur noch bildergalerien an automator gefuettert habe und chats und klingel und alles andere ignorierte.)

vorgestern war ich ja beim hausarzt und der hatte mir eine ueberweisung zum orthopaeden geschrieben. eigentlich bin ich es als ex-privatpatient gewohnt, einfach das wort "notfall" oder das wort "dringend" bei orthopaeden fallenzulassen, um noch am gleichen tag einen termin zu bekommen. doch gestern sollte es anders sein.

die telefonate (insgesamt fuenf, dann hatte ich keine lust mehr) verliefen immer aehnlich dem folgenden beispiel:

sie: ortopaedische praxis doktor sowieso, sie sprechen mit
     der-und-der, guten morgen, was kann ich fuer sie tun?
ich: guten morgen, hier ist jmt, ich habe geschwollene
     fussgelenke und starke schmerzen. es handelt sich um
     einen notfall, haetten sie heute einen termin frei?
sie: ja, wie sind sie versichert, herr jmt? waren sie
     schoneinmal hier?
ich: ich war noch nie bei ihnen und bin bei der techniker
     krankenkasse
sie: kassenpatient - nein, da haben wir heute nichts frei.
     wir haben heute schon soundsoviele notfaelle (immer so
     um die dreissig) und ein arzt ist ausgefallen. ich kann
     ihnen fruehestens naechsten monat einen termin anbieten.
     tut mir leid ...
ich: ich habe eine private zusatzversicherung, wuerde das
     helfen?
sie: die gilt ja nur fuers krankenhaus, aber ich kann mal
     mit dem doktor reden ...
ich: bitte tun sie das, vielen dank, ich habe wirklich
     starke schmerzen, es handelt sich um einen notfall ...
sie: einen moment ...
     (es vergeht etwas zeit)
sie: nein, das tut mir leid, da kann ich ueberhaupt nichts
     machen ... am besten gehen sie ins sowiesokrankenhaus in
     die orthopaedische ambulanz.
ich: schade, vielen dank, dass sie es versucht haben, ich
     wuensche noch einen schoenen tag.
sie: ja, einen schoenen tag auch und gute besserung.

wie gesagt, gab ich mir das etwa fuenfmal und dachte mir meinen teil ueber zweiklassenpatientensysteme, die durch pkv und gkv hervorgerufen werden.

dann fuhr ich unter grossen schmerzen zum empfohlenen krankenhaus, zog unter grossen schmerzen ein parkticket und brachte es unter grossen schmerzen zum auto zurueck. dann ging ich schmerzverkrampft zur orthopaedischen ambulanz, wo mich ein weiteres lustiges gespraech erwartete:

sie: moment, ich komme gleich zu ihnen
ich: kein problem, darf ich mich setzen?
sie: einen moment noch ...
     (ich setzte mich einfach mit einem ordentlichen seufzer)
sie: jetzt zu ihnen, worum geht es denn?
ich: ich habe geschwollene fussgelenke und grosse schmerzen ...
sie: wie sind sie versichert?
ich: ich bin kassenpatient (d'oh!)
sie: aaaahja ... dann muss ich eine notfallgebuehr von zehn
     euro einziehen
ich: aehm - ich habe eine uberweisung von meinem hausarzt ...
sie: dann war es kein unfall, sind sie da schon in behandlung?
ich: ich bin nicht in behandlung, weil mir kein orthopaede einen
     termin geben kann oder will.
sie: jaaaa ... da koennen wir auch nichts machen, wir haben hier
     nur eine beschraenke kassenzulassung ... wir duerfen sie nur
     im notfall, das heisst nach einem unfall behandeln!
ich: bitte tun sie mir das nicht an, ich habe starke schmerzen
     und kann mich kaum bewegen und sie wollen mich wegschicken?
     was soll ich denn machen?
sie: ... ja ... hm ... es gibt da eine moeglichkeit ... sie
     brauchen eine ueberweisung vom facharzt ... von einem
     orthopaeden ... dann koennen wir sie behandeln.
ich: super! kein orthopaede gibt mir einen termin in diesem monat!
sie: doch, da gehen sie zum dr sowieso, dem sagen sie alles und der
     macht das dann - der ist hier in der naehe, da koennen sie zu
     fuss hin.
ich: danke - bis spaeter.

danach ging ich dann etwa eine halbe stunde (natuerlich unter groessten schmerzen) eine strecke, fuer die ich sonst vielleicht ein paar minuten gebraucht haette. es schuettete wie aus eimern und mappe, roentgenbilder und ich wurden patschnass. kruecken hatte man mir nicht gegeben, die haette ich echt gerne gehabt.

dort angekommen trug ich meinen fall vor und durfte mich setzen und bekam in wenigen minuten meine ueberweisung. der rueckweg war nicht angenehmer, als der hinweg, auch, wenn es nicht mehr regnete.

insgesamt war ich an dem tag mehr zu fuss gegangen, als in den drei tagen davor zusammengenommen - das duerfte meinen gelenken eher nicht gut bekommen sein - hatte ich die schmerzen erwaehnt?

zurueck in der ambulanz wurde ich dann doch geholfen - alle machten ratlose gesichter, weil den dicken fuessen kein unfall vorangegangen war - da ich auch in letzer zeit nicht viel auf feiern war und mich nicht an besonderheiten erinnern konnte, waren dicke backen, roentgen und dann weitersehen angesagt. man drohte mir eine kernspintomographie an ;-)

also ... der behandelnde arzt war sehr nett und locker und schien mir ueberaus geeignet fuer den job - da will ich nix gegen den gesagt haben.

roentgen war auch klasse ... zunaechst war nciht klar, was zu tun war ... man sollte seine unterlagen einer muerrischen zwergin hinter einer durchreiche geben, doch niemand wies darauf hin. diese muerrische person stritt mit einem arzt, beklagte sich ueber die patienten und rief namen auf, auf die keiner reagierte ... dann zankte sie wieder und murrte ueber die patienten. weil sie mich dabei nicht beachtete, sagte ich einfach laut: "ich lasse das mal hier, ja?" und liess den wisch ohne auf antwort zu warten durch die durchreiche segeln, worauf sie sich das teil schnappte und wieder ihrer programmierung folgte.

nach einer halben stunde wurde ich aufgerufen - zum glueck waren andere vor mir aufgerufen worden, sonst haette ich meinen namen mit starkem indischem akzent wohl nicht wiedererkannt.

das roentgen verlief ganz gut, nur musste ich dem spezialisten seine aufgabe erklaeren, denn er wusste nciht, wieviel was zu roentgen war ... ich meine, das hatte auch auf dem zettel gestanden, doch den sah ich nicht wieder.

nach dem roentgen wartete ich noch etwa zwanzig minuten auf die bilder.

wieder in der ambulanz nahm man die bilder an, dann folgte nichts ... die patienten verliessen nach und nach die behandlungsraeume, dann rotteten sich die aerzte zusammen und es wurde peinlich genau darauf geachtet, dass die tueren geschlossen blieben. immer, wenn ein weiterer arzt oder eine schwester hinzukamen, war es ein grosses hallo und es wurde angestossen, dann glitten die grossen rolltueren wieder zu und ein nervoeser pfleger schien wache zu halten.

klar - es war halt mittagspause ... haette man ja auch mal sagen koennen - hmpf.

die restliche behandlun, etwa dreissig oder vierzig minuten spaeter, verlief dann wieder beim behandelnden arzt. dann kam noch ein oberarzt dazu und schaute sich alles an und achselzucken war ueberall. nix genaues weiss man nicht.

jetzt kam der beste teil - mir wurden von zwei bildschoenen jungen schwestern simultan beide fuesse gleichzeitig verbunden ... toll - das nenne ich unterhaltungsprogramm :-) ich bekam noch kruecken und ueberweisungspapiere mit auf den weg, musste unterschreiben, dass ich die kruecken mit fuenf euro bezahlen werde und dann durfte ich heim.

natuerlich nicht ohne ein paar pillen, die den schmerz in den gelenken lindern. die verbaende muss ich drei tage tragen, was drei tage duschverzicht mitsichbringt. (jetzt noch zwei)

insgesamt dauerte der spass von neun bis halb-zwei. ich kann mich nicht daran erinnern, jemals vorher solche schmerzen gehabt zu haben, aber man vergisst ja so manches. wie gesagt, war ich total erschlagen und entschuldige mich dafuer, beinahe jeden gestern voellig ignoriert zu haben.

die rennstoecke sind tuerkis und haben rote rueckstrahler vorne und hinten, weshalb man nicht sehen kann, ob ich mich naehere oder entferne, wenn es dunkel ist ... erm.

Faulbaer (puh, das war doch lang)

 
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